Kontaktaufnahme
Für eine erste Kontaktaufnahme können sich Betroffene und Angehörige unter unserer zentralen Rufnummer (0221) 91 27 97 22 kostenlos informieren. Wir nennen Ihnen Ihre direkten Ansprechpartner in Köln oder im Rhein-Erft-Kreis und geben Ihnen erste Informationen und Hinweise für Ihre weiteren Überlegungen.



Erstes Informationsgespräch
Es findet an dem Beratungsort Ihrer Wahl statt (Köln, Bergheim oder Brühl) und informiert Sie ausführlich zum Thema Glücksspielsucht und über individuelle Behandlungswege. Wir beantworten Ihre Fragen und begleiten Sie auf Wunsch zum nächsten Behandlungsabschnitt.



Stationäre Behandlung
Die stationäre Behandlung empfiehlt sich, wenn Ihre sozialen, beruflichen und finanziellen Rahmenbedingungen so desolat sind, dass Sie eine schnelle und intensive Veränderung an den Anfang Ihres neuen Weges stellen möchten. Zu empfehlen ist dieser Weg auch dann, wenn Ihnen das Erreichen von Spielfreiheit in Ihrem gewohnten Umfeld sehr schwer fällt, so dass mit Rückfällen zu rechnen ist. Der Antrag auf Kostenübernahme einer stationären Rehabilitation und die Vermittlung in eine geeignete Fachklinik wird auf Wunsch gerne von uns übernommen.


Motivationsgruppe
Für die Betroffenen ist dies der Beginn der Gruppenphase im Vorfeld der Therapie. Hier können alle weiteren Fragen geklärt und eine Spielfreiheit erarbeitet werden. Parallel werden die Anträge auf Kostenübernahme, die ärztliche Untersuchung, ggf. die Vermittlung in eine Schuldnerberatung usw. eingeleitet.


Die Motivationsgruppe ist auch ein Ort, an dem die Stabilität der eigenen Veränderungsbereit- schaft überprüft und gestärkt werden soll, damit in der folgenden Therapiephase eine gemeinsame Arbeit möglich ist. Die Teilnahme ist kostenfrei.

 


Inhaltliche Schwerpunkte der Gruppengespräche

  • „Ich kann so nicht weiterleben, ich will etwas verändern“

    • (Erkenntnisse, Einsichten entwickeln und verdeutlichen.)

  • Brauche ich Hilfe von anderen? – Ich benötige Unterstützung!

    • (Eigene Hilfsbedürftigkeit eingestehen und annehmen können.)

  • Ich heiße … und bin glücksspielsüchtig!

    • (Eigene Spielsucht als Erkrankung akzeptieren, Krankheitseinsicht entwickeln.)

  • Mein schwieriger Lebensalltag und meine Gefühle

    • (Beziehungen in der Familie, Arbeitsumfeld, Freizeit.)

  • Ich empfinde Spieldruck bzw. Spielverlangen und habe Angst vor Rückfällen

    • (Wahrnehmen und Differenzieren von lustvollen und unlustvollen Affekten.)

  • Wie kann ich meinen Lebensalltag und die Freizeit umgestalten, um neue Energiequellen, Belohnungsreize zu entdecken?
  • Ich will auf alle Spiele um Geld verzichten und meine Spielfreiheit stabilisieren!

    • (Abstinenz bzw. Spielfreiheit als Ziel akzeptieren lernen.)

  • Ich muss mein Verhalten ändern, um abstinent bzw. spielfrei zu bleiben! Verhaltensänderung als Therapieziel annehmen und umsetzen
  • Durch eine medizinische Rehabilitation bzw. Therapie möchte ich eine zufriedene Abstinenz bzw. Spielfreiheit erreichen

    • (Überprüfung der Motivation.)

  • Nach der Therapie benötige ich weiterhin Unterstützung, für die ich sorgen muss! Informationen über Selbsthilfegruppen, Kriseninterventionen etc.


Methodisch werden die Gruppengespräche in einer vertrauensvollen, empathischen und authentischen Atmosphäre durchgeführt. Der Gesprächsleiter moderiert, informiert und setzt Hilfsmaterialien (Fragebogen, Videos u.a.) bei Bedarf ein.

 

Organisatorisch finden die Gespräche wöchentlich montags von 18–19.30 Uhr in der Fachstelle Glücksspielsucht (Krefelder Str. 5, 50 670 Köln) im Gruppenraum statt.

Teilnehmer, die mindestens fünfmal regelmäßig hintereinander an den Gruppengesprächen teilnehmen, werden zur Vermittlung in eine ambulante oder stationäre medizinische Rehabilitation bzw. Therapie zugelassen. Regelmäßigkeit, Zeitdauer, inhaltliche und methodische Gestaltung etc. der Gruppen soll auf die späteren wöchentlichen, therapeutischen Gruppengespräche vorbereiten.


Ambulante Behandlung 

  
Allgemeine Ziele
Die ambulante medizinische Rehabilitation zielt auf eine nachreifende Entwicklung der Persönlichkeit und eine damit verbundene Erweiterung personaler und sozialer Kompetenzen. Hierdurch soll Pathologisches Glücksspielen dauerhaft erübrigt, die Erwerbsfähigkeit wiederhergestellt, bzw. erhalten und die berufliche und soziale Eingliederung verbessert werden. Je nach individuellen Voraussetzungen können diese Ziele während der Rehabilitation ansatzweise oder ganz überwiegend erreicht werden.

 

Ziele nach thematischen Schwerpunkten 

Personale Ziele 

  • Entwicklung einer dauerhaften Glücksspielabstinenz
  • Entwicklung einer besseren emotionalen und körperlichen Selbstregulation
  • Wahrnehmung und Differenzierung eigener Gefühls- und Bedürfnislagen
  • Regulationsfähigkeit von Distanz und Nähe in engeren Beziehungen
  • Entwicklung von Grundvertrauen Lebensfreude und positiven Zukunftserwartungen
  • Verbesserung der Impulskontrolle Frustrationstoleranz Antizipation und Leistungskompetenz
  • Entwicklung oder Reaktivierung positiver persönlicher Eigenschaften z.B. Humor individuelle Talente etc.
  • Zufriedenheit mit der eigenen körperlichen Verfassung und Gesundheit

 

Soziale Ziele

  • Entwicklung von Kooperations- und Konfliktfähigkeit
  • Entwicklung von Kontaktbereitschaft Einfühlungsvermögen und Beziehungsfähigkeit
  • Entwicklung sozialer Verantwortung in Gruppen
  • Überwindung von selbst einschränkenden Rollenmustern
  • Klärung von Konflikten mit der Herkunftsfamilie.
  • Aufbau von suchtfreien und stabilen sozialen Beziehungen
  • Aufbau und/oder Sicherung eines tragenden sozialen Netzes

 

Alltags- und Arbeitswelt

  • Termine und Verabredungen einhalten können
  • Fähigkeit zur Strukturierung von Alltag, Wohnen und Freizeit
  • Kommunikationsfähigkeit im Beruf und im Umgang mit Institutionen
  • Akzeptanz bzw. Identifikation mit der Arbeits- und Berufsrealität
  • Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit nach den Anforderungen am Arbeits- oder Ausbildungsplatz
  • zielgerichtetes Planen und Handeln mit einhergehender Realitätsprüfung
  • Aufnahme oder Fortbestand einer versicherungspflichtigen Erwerbstätigkeit oder
  • Aufnahme einer beruflichen Ausbildung, Weiterqualifizierung etc
  • gesicherte finanzielle Lebensgrundlage einschließlich Schuldenregulierung
  • eigene, mittelfristig gesicherte Wohnung

 

Ziele in den einzelnen Rehabilitationsphasen
Ein idealtypischer Verlauf lässt sich wie folgt beschreiben:


Eingewöhnungsphase (ca. 4 – 6 Wochen):

 Sich in die Einzel- und Gruppentherapie einfinden, Krankheitseinsicht und Veränderungsmotivation weiterentwickeln, Veränderung der Impulskontrolle, Verantwortungsübernahme für das pathologische Glücksspielverhalten, Sicherung einer Tagesstruktur, Klärung offener juristischer Fragen, Sicherung des Lebensunterhaltes, Bewältigung von Abschieden und Trennungen


Haupttherapiephase (ca. 36 Wochen):
Verständnis für die eigene Lebensgeschichte und mögliche Ursachen für pathologisches Glücksspielen, Ausprägung der Affektwahrnehmung und -differenzierung, Weiterentwicklung einer angemessenen Angst- und Frustrationstoleranz, Sensibilisierung für körperliche Wahrnehmungen, Knüpfen und Ausbau sozialer Beziehungen, Überprüfung und Sicherung beruflicher Perspektiven


Ablösephase (ca. 6 Wochen) 
Ablösung und Übergang in eine Normalbiographie, Halten sozialer Bindungen, Bewältigung von Ablösungskonflikten und Abschieden, Entwicklung von Zukunftsperspektiven, selbstverantwortliche Lebensführung, wenn nötig: Anbindung an ein weiterführendes Beratungs- oder Therapieangebot, Aufsuchen von Selbsthilfegruppen

 

Behandlungsdauer 
Die ambulante medizinische Rehabilitation kann durchgeführt werden

  • alternativ zu einer stationären Rehabilitation,
  • als ambulante Weiterbehandlung nachstationär oder
  • als Nachsorge nachstationär.

Eine ambulante medizinische Rehabilitation, die bei Vorliegen einer entsprechenden Indikation, alternativ zu einer stationären Rehabilitation durchgeführt wird, dauert mindestens 6 und bis zu 12 Monaten, in begründeten Ausnahmefällen bis zu 18 Monaten. Innerhalb von jeweils sechs Monaten bzw. 26 Wochen werden 40/4 therapeutische Behandlungseinheiten genehmigt: wöchentlich eine therapeutische Gruppensitzung und innerhalb von zwei Wochen mindestens ein therapeutisches Einzelgespräch.


Die Dauer einer ambulanten Weiterbehandlung im Anschluss an eine vorangehende stationäre Maßnahme richtet sich nach dem stationären Behandlungsverlauf, den Empfehlungen der entlassenden Fachklinik sowie den Entscheidungen des zuständigen Leistungs- und Kostenträgers (Deutsche Rentenversicherung Bund; Deutsche Rentenversicherung Rheinland u.a.) und umfasst in der Regel 40/4 therapeutische Einheiten innerhalb eines halben Jahres.


Als nachsorgende Maßnahme im Anschluss an eine ordnungsgemäß abgeschlossene stationäre Rehabilitation werden in der Regel ca. 20/2 Rehabilitationseinheiten innerhalb von 26 Wochen durchgeführt.


Die therapeutischen Einzel- und Gruppengespräche werden überwiegend in den Abendstunden realisiert, dies ermöglicht den Patienten ihren beruflichen Verpflichtungen weiter nachzugehen und die Angst um den Arbeitsplatz zu minimieren. Patienten die beschäftigungslos sind, können sich mit therapeutischer Unterstützung bereits während der Rehabilitation um eine berufliche Reintegration bemühen.